Zum besseren Verständnis zum Teil vereinfacht
Wie es begann
Der Hund ist der längste nicht menschliche Begleiter des Menschen. Wie genau Mensch und Hund zusammen gefunden haben ist unklar. Die meiste Zeit des geschätzt ca. 30.000-jährigen Zusammenseins (die Angaben schwanken stark) war der Hund vor allem Arbeitstier mit mehr oder weniger definierten Aufgaben: Jagdbegleiter, Wachhund, Hütehund. Später genossen auch einige wenige Hunde das Leben als reine „Schoßhunde“. In Notzeiten dienten Hunde als Fleischlieferanten und werden in einigen Regionen nach wie vor verzehrt.
Mit der Domestikation ging auch eine Neotenie einher: Die Hunde verblieben (und verbleiben) auch nach der Geschlechtsreife in einem gewissen Jugendstadium. Dadurch waren sie freundlicher zu Menschen, andererseits wurde aber auch z. B. das Gehirn verkleinert, das Gebiss, die Schnauze und die Fellfarben veränderten sich und Hängeohren tauchten auf. Bereits die Domestikation verändert den angehenden Haushund und die Vitalität.
Wichtig für die Arbeitshunde war, dass sie die Eigenschaften ihrer Elterntiere zeigten und möglichst in diesen noch besser waren. Ihre Aufgaben sollten sie idealerweise ausführen können, ohne dass der Mensch Zeit und Erziehung investierte. Für gute Arbeitshunde waren Eigenschaften wie Gesundheit (messbar als Lebensdauer, Arbeits-/Leistungsfähigkeit und Ausdauer) sowie Lernfähigkeit relevant.
Regional gab es Schläge, die später teilweise als Rassen definiert wurden. Zu den ältesten zählen die Pharaonenhunde, Basenjies und Salukis.

Diese ersten „Rasse“-Hunde verpaarten sich jedoch immer wieder mit Hunden außerhalb der „Rassen“. Aus dem Nachwuchs ergaben sich teilweise ideale Arbeitshunde, die in die „Rasse“ integriert wurden. Es gab somit einen kontinuierlichen genetischen Eintrag aus dem Umfeld. War der Nachwuchs hingegen untauglich, wurde er seitens der Menschen vernachlässigt oder getötet. Die Chancen, dass diese Hunde sich fortpflanzten, waren reduziert.
Beginn der Rassezucht
Im Viktorianischen Zeitalter (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, ca. 1837 – 1901) beschäftigte man sich – auch im Humanbereich – mit Genetik (ohne die Details, wie DNA und die Vererbungslehre zu kennen). Man ging davon aus, dass gute Eigenschaften der Eltern vollständig auf den Nachwuchs übertragen würden. Durch geschickte Auswahl der Eltern wäre es somit möglich, immer besseren Nachwuchs zu erhalten. Die Idee der Eugenik war geboren.
Mendel veröffentlichte 1866 seine Zuchtversuche und die daraus resultierenden Schlüsse zur Vererbung. Er zeigte, dass die Eigenschaften der Eltern zu einem gemischt-erbigen Nachwuchs führen und nur ein Teil des Nachwuchses die gewünschten Eigenschaften der Eltern hat. Manche Eigenschaften überspringen zudem eine Generation. Seine Forschung blieb jedoch lange unbeachtet.
Die erste Hundeschau fand 1843 in England statt und galt den Spaniels. Die erste weltweite Zuchtschau folgte 1847 in Belgien und galt den Pointern.
Im ersten englischen Zuchtbuch (1873) waren 40 Rassen gelistet.

Die Rassezucht
Inzucht
Im Sinne der viktorianischen Zeit war man bemüht, bestimmte, in der Regel äußerliche Merkmale (Ringelschwanz, Fellfarbe o. ä.), durch gezielte Verpaarung der Hunde zu fördern. Nicht selten wurden dabei die Elterntiere mit ihren Nachkommen oder Geschwister untereinander verpaart. Die bei Menschen in allen Regionen verbotene Inzucht wurde gang und gäbe (und ist es noch).
Durch Inzucht lassen sich schnell bestimmte Merkmale fixieren. Allerdings führt der (zu Anfang der Hundezucht unbekannte) „Hitchhiking“ (Mitläufereffekt) dazu, dass sich nicht nur erwünschte Eigenschaften festsetzen. So häuften sich in der Population, teilweise zunächst unbemerkt, unerwünschte Eigenschaften.
Aus der Inzucht und sehr enge Zuchtauswahl ergibt sich eine zunehmend eingeschränkte genetische Vielfalt. Der Inzuchtkoeffizient hat sich inzwischen teilweise verdoppelt, obwohl die Anzahl der einzelnen Tiere innerhalb der einzelnen Rassen zunimmt. Im Schnitt gingen so rd. 70 % der genetischen Vielfalt verloren.
Flaschenhals und Kompensation
Die Reduzierung der genetischen Vielfalt wird als Flaschenhals bezeichnet: Wenige Tiere bilden die genetische Basis für eine große Population. In der Natur tritt dieses Phänomen z. B. nach Naturkatastrophen auf, wenn große Teile der Population gestorben sind. Die Nachfahren sind in hohem Maße genetisch identisch. Dies kann Vorteile haben, etwa weil positive Eigenschaften sich schneller verbreiten, negative unter natürlichen Bedingungen schnell ausgemerzt werden. Bei Wildtieren werden Tiere mit genetisch nicht optimalen Eigenschaften aus dem Genpool entfernt – sie haben Nachteile im Kampf ums Überleben und Sterben, ohne eine nennenswerte Anzahl an Nachkommen zu hinterlassen.
In der Hundezucht ergeben sich jedoch enorme Nachteile bei kleinen Gründerpopulationen, da unter den unnatürlichen Bedingungen der Hundehaltung negative Eigenschaften (z. B. Auswirkungen auf Gesundheit, Fitness und Lebensdauer) ebenso weitergegeben werden, wie erwünschte. Inzucht und eine Einengung der genetischen Vielfalt kann somit die Widerstandsfähigkeit einer Rassen gegen Krankheiten reduzieren und so zu erhöhter allgemeiner Krankheitsanfälligkeit führen. Die Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen sinkt.
Ist die Gründerpopulation groß genug, kann die Art auch in der Natur trotz des Flaschenhals-Effektes überleben. Ist sie zu klein (wie derzeit bei einigen stark bedrohten Wildtierarten), wird der Inzuchtfaktor zu hoch und die Art stirbt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Grund ihrer engen genetischen Basis aus. Diese Gefahr droht trotz aller Versorgung und medizinischer Betreuung auch einigen Hunderassen.
Geschlossene Zuchtbücher
Zu den ursprünglichen regionalen Hundetypen wurden bewusst Rassen kreiert, wie z. B. der Englisch Golden Retriever. Diese Rassen sollten sich klar voneinander abheben und dazu erkennbare optische Eigenschaften besitzen.

2023, also 150 Jahre nach den ersten Zuchtbüchern in England, gab es in England 200 Rassen (Zunahme von 400 %), weltweit sind es rd. 400 Rassen, wobei die Angaben nach Verband und Quelle stark schwanken. Unberücksichtigt sind dabei „Rassen“, die noch nicht anerkannt wurden (z. B. der Elo) und sogenannten „Schlägen“ (regionale Unterrassen, wie z. B. die Fortführung alter Gebrauchshundelinien). Mit diesen kommt man auf mindestens 800 „Rassen“. Es wird geschätzt, dass in Europa lediglich rd. 15,5 % der Hunde Rassehunde sind, mit maximal 30 % Rassehunden in einzelnen Ländern.
Zunächst war es in den Rassen noch möglich, dass Hunde mit „rassetypischen Eigenschaften“ oder Hunde mit gewünschten Eigenschaften einzukreuzen.
Doch mit der Zeit wurden immer mehr Zuchtbücher geschlossen. Das heißt: Damit ein Hund als zu einer Rasse zugehörig galt, mussten beide Eltern im Zuchtbuch der Rasse eingetragen sein. Nachkommen von Einkreuzungen außerhalb des Zuchtbuches wurden nicht als Rassehunde erkannt. Zum Teil führte dies so weit, dass eine Zuchthündin nach einer „Fehlbelegung“ nicht mehr für die weitere Zucht zugelassen wurde.
Der ständige Eintrag neuer Gene, der jahrtausendelang zu einer gesunden, vitalen Hundepopulation beigetragen hatte, wird nun, im Sinne der „Rasse“, verhindert.
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Krankheiten und Erbkrankheiten werden toleriert
Zunehmend wurde statt Gebrauchstauglichkeit (Vitalität, Gesundheit, Lernfähigkeit) das Aussehen wichtig. Zusätzlich zu den durch die Inzucht auftretenden Effekten häufen sich Erkrankungen, die direkt mit den gewünschten optischen Eigenschaften in Verbindung stehen.
Dabei traten vor allem zwei Effekte auf:
- Teilweise führt die gewünschte optische Eigenschaft direkt zu gesundheitlichen Problemen. Ein in Deutschland schon länger öffentlich wahrgenommenes Problem ist das als ideal angesehene stark abfallende Hinterteil der Deutschen Schäferhunde, welches vermutlich die hohe Sprung- und Angriffsbereitschaft symbolisieren sollte. Damit einher geht jedoch die HD (Hüftgelenksdysplasie), eine Fehlstellung des Gelenkkopfes in der Gelenkschale. Extrem kurzschnäuzige Rassen haben Atemprobleme und demzufolge Schwierigkeiten mit der Hitzeregulation. Babyfac-Rassen haben dicke Köpfe, große Augen und flache Gesichter. Bei diesen auf das Kindchenschema gerichteten Rassen (Chihuahua, Papillon u.a.) sind die Augenhöhlen zu klein für die Augen, sodass diese herausfallen können. Zudem sind die hervorstehenden Augen anfällig für Augenentzündungen. Bei Hunden mit faltiger Haut treten regelmäßig zahlreiche Infekte in den Falten auf. Hunde mit langen Hängeohren sind mit wiederkehrenden Ohrenproblemen geplagt. Der lange Rücken des Dackels führt oft zu Bandscheibenvorfällen bis hin zu Lähmungen. Die Liste ist beliebig lange fortsetzbar.
- Verschiedene optische Eigenschaften sind genetisch mit anderen Eigenschaften gekoppelt. So ist z. B. das Pigmentierungsgen (Scheckungsgen) der Dalmatiner mit Taubheit gekoppelt. Je nach Quelle wird von bis zu 30 % ein- oder beidseitig gehörgeschädigter Hunde ausgegangen. Bei Ridgebacks ist der Ridge vermutlich verantwortlich für den Dermoid Sinus (s.u.).
Ein Tier mit genetisch erwünschten (aber gesundheitsschädlichen) Eigenschaften oder mit genetischen Eigenschaften, die mit den gewünschten Eigenschaften einhergehen, wird nicht aus dem Genpool entfernt, sondern weiter vermehrt – nicht selten als Prämiumzuchttier. Relevant ist die Optik, die möglichst nahe am Rassestandard sein oder diesen sogar übertreffen sollte.
Die Zahl der in den Rassen festgestellten Erbkrankheiten steigt rapide – nicht nur, weil deren Identifizierung leichter geworden ist.
| Jahr | Krankheiten |
| 1963 | 30 |
| 2009 | > 400 |
| 2023 | 856 |
Optik vor Gesundheit
Auf Hunde-Schaus wird teilweise der Krankheitszustand geschickt kaschiert, z. B. in dem entsprechende Medikamente verabreicht werden. Manche Defekte fallen im Schaugeschäft nicht auf, da Ausdauer, Lernfähigkeit, durchschnittliches Lebensalter der Linie etc. nicht berücksichtigt werden. Andere negative Auswirkungen (Apathie, Bewegungsunlust) kommen dem Showbusiness sogar entgegen. Auch seitdem bekannt wurde, dass bestimmte „rassetypischen, optischen“ Eigenschaften mit massiven Gesundheitsproblemen einhergehen – selbst da wurde und wird nicht effektiv reagiert.
Ein großer Anteil der Rasseanforderungen beschreibt nur Äußerlichkeiten: Fellfarbe, Kopfform, Rutenlänge und -form etc..
Was auf Hunde-Schaus unter nicht alltagsrelevanten Bedingungen prämiert wird oder nicht, entscheidet in hohem Maß über die Zukunft der Rasse. Es ist meist die Entscheidung weniger Menschen – der Preisrichter – auf Basis optisch definierter Aussagen.
Die Rassestandards beinhalten sowohl objektive als auch subjektive Kriterien. Letztere legt der Preisrichter nach individueller Ansicht aus.
Die Anforderungen mancher Rassestandards weisen in Richtung eines vitalitätsmindernden Äußeren oder implizieren es sogar. Je nach Beurteilung der Preisrichter bewegt sich der Rassestandard weiter in Richtung schädliches oder gesundes Rassebild.

Der Dermoid Sinus (DS) tritt beim Ridgeback entweder vor oder hinter dem rassetypischen „Ridge“ auf. Man von einem angeboren polygenen Defekt aus, der genetisch in Verbindung mit dem Ridge (dem gegenläufigen Rückenkamm) steht. Während der embryonalen Entwicklung findet keine vollständige Trennung des Neuralrohrs (embryonale Vorstufe der Wirbelsäule) und den oberen Hautschichten statt. Es bildet sich ein von der Haut in die Tiefe ziehender Gang, zum Teil mit mehreren Öffnungen.
Ohne Operation besteht die Gefahr von Sekundärinfektionen, die lebensbedrohlich sein können sowie neurologischen Problemen, wenn der Gang in den Wirbelkanal eingedrungen ist. Auf Züchterseiten wird der DS als harmloser Schönheitsfehler beschrieben, der nach einer operativen Entfernung behoben ist.
Für den Defekt stehen Gentests zur Verfügung (s. unten).
Die gesundheitlichen Defekte können teilweise medizinisch behandelt werden. Babyfaces, bei denen aufgrund der Kopfgröße kaum noch natürliche Geburten möglich sind, werden mit Kaiserschnitt entbunden, kurzschnäuzigen (brachycephalen) Rassen wird das Gaumensegel operiert (Informationsblatt), Hunden mit HD eine neue Hüfte eingesetzt etc.. Die Tiermedizin macht es möglich, die gezüchteten Probleme zu lindern.
Das Gehirn ist ein sehr stoffwechselaktives Organ und beansprucht rund 25 % des Stoffwechsels. Ein gestörter Stoffwechsel hat Auswirkungen auf das Gehirn. Mit der Rassezucht gehen oft ein Verlust von Problemlösungsverhalten sowie kognitive Einschränkungen einher. Das heißt, die Hunde sind weniger intelligent. Verschiedene Verhaltensstörungen, u.a. Angst und Aggression, häufen sich.
Rassen mit hohem Inzuchtfaktor und dementsprechend vielen Erbkrankheiten leben kürzer als Mischlinge, die aus gesunden Rassen entstammen und haben insgesamt mit einem schlechteren physischen und psychischen Gesundheitszustand zu kämpfen. Hunde kleinerer (unmoderner) Rassen weisen hingegen einem geringen Inzuchtfaktor auf und sind gesünder.
Die Zunahme der Erkrankungen bei Hunden, inkl. Erbkrankheiten, resultiert vorwiegend aus falsch aufgebauter Rassezucht. Dank medizinischer Fortschritte werden Hunde älter, was ebenfalls eine Zunahme von Erkrankungen bewirkt (vorwiegend altersdegenerativer Art). Die gerne dafür verantwortlich gemachte Futtermittelindustrie hat an den steigenden Erkrankungsraten bei Hunden hingegen keinen nennenswerten Anteil.
Popular Sire – Prämierte Zuchtrüden
Prämiierte Zuchtrüden tragen maßgeblich zur Verbreitung von Erbkrankheiten bei. Diese Zuchtrüden deckten früher in einem engen geografischen Raum, inzwischen weltweit, live oder per Samenspende Hündinnen. Ihr Samen ist bei Züchtern begehrt, weil damit die positiven Rasse-Eigenschaften vermeintlich übertragen werden. Die negativen Eigenschaften werden weiter ignoriert.
Als Resultat verstärken sich die bekannten genetischen Probleme:
- Ein Rüde deckt viele Hündinnen. Ein weiterer künstlicher Flaschenhals wird erzeugt.
- Der Inzuchtfaktor steigt: Die Nachkommen des prämierten Zuchtrüden werden vermehrt in den „Premium“-Zuchtkreisen eingesetzt und untereinander verpaart.
Bei manchen Rassen, etwa dem Border Collie, gehen rd. 50 % der genetischen Vielfalt auf weniger als 10 Tiere zurück. Beim BC sind rd. 25 Erbkrankheiten bekannt.
Rasse in Rasse
Mit den zunehmenden genetischen Krankheiten sinkt die Gebrauchstauglichkeit der Hunde. Manche Gebrauchshunderassen wurden durch andere, noch gesunde, Rassen ersetzt. Bei manchen Rassen spaltete sich die Zucht in zwei Linien auf: Arbeits- und Showhunde. Die Aufspaltung führt zu weiterer genetischer Verarmung, auch wenn eine Vermischung der Linien möglich ist.
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Rasse und Verhalten
Bestimmte Gebrauchslinien wurden bereits seit langer Zeit für definierte Aufgaben verwendet: jagen, hüten, beschützen etc. Diese Eigenschaften sollten weitgehend an die Nachkommen weitervermittelt werden. Ein Tier, welches diesen Ansprüchen nicht gerecht wurde, wurde in der Regel aus dem Genpool entfernt (getötet oder bestenfalls sich selbst überlassen).
Genetisch unterscheiden sich Rassen nahezu nicht. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren werden die optischen Unterschiede durch sehr wenige Gene und deren Mutationen erzeugt. Daher ist die Verhaltens-Abweichung innerhalb einer Rasse vergleichbar mit der zwischen den Rassen.
Tendenziell gibt es jedoch Verhaltens-Unterschiede in den großen Kategorien „Jagen“, „Hüten“. „Beschützen“. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hütehund eine Herde treiben kann, ist höher als bei einem Mops. Zudem wurden rassespezifische Unterschiede festgestellt, z. B. hinsichtlich Geräuschempfindlichkeit (Hütehunde sind geräuschempfindlicher) und Ängstlichkeit.
Bei bestimmten Zuchtlinien der Bullterrier, American Staffordshire Terrier und Pit Bull Terrier zeigt sich ein übersteigertes Aggressionsverhalten mit reduzierter Beißhemmung auch gegenüber Sozialpartnern. Der genaue Erbgang ist nicht geklärt, aber Kampf- und Beißspiele mit Beschädigungsbeißen sind bereits bei 4 Wochen alten Welpen feststellbar. Normales Sozialverhalten, wie Welpenpflege und Sexualverhalten, ist den betroffenen Hunden nicht möglich.
Manche Eigenschaften scheinen eher mit der Größe als mit einer Rasse gekoppelt zu sein. So zeigt sich, dass kleinere Rassen eher impulsiver reagieren. Allerdings ist es schwierig, Erziehung- und Umwelteinflüsse eindeutig von vererbten Anteilen zu trennen. Genetisch stehen jedoch Aggression und Angst mit denselben Genorten in Verbindung, die auch die geringe Körpergröße bedingen.

„Sein umgängliches, fröhliches Wesen prädestiniert ihn zum idealen Begleit- und Familienhund und zum Wächter für Haus und Wohnung. … Er ist weder ängstlich noch aggressiv. Wetterunempfindlichkeit, Robustheit und Langlebigkeit sind seine hervorragendsten Eigenschaften“.
Für den Zwergspitz sind zahlreiche Erbkrankheiten bekannt, u.a. Herzfehler, wie Offener Ductus arteriosus (PDA) und Sick-Sinus-Syndrom; Wasserkopf, herausspringende Kniescheiben sowie (möglicherweise erblich bedingte) SDU.
Ein Großteil der Verhaltenseigenschaften ist allerdings auch erlernt. Der Junghund lernte von den Elterntieren, z. B. das Arbeiten an der Herde.
Der moderne Begleithund hat in der Regel keine Aufgaben als Jagd- oder Hütehund, sondern im Idealfall definierte Ersatzaufgaben (Hundesport, Denksportaufgaben etc.). Manchmal ist er nur Familienhund und sucht sich eine Aufgabe. „Rassetypisches“ Verhalten kann, wenn es nicht kanalisiert wird, sehr problematisch werden.
Der Hundekäufer
„Den“ Hundekäufer gibt es genauso wenig wie „den“ Hund.
Es gibt informierte Hundekäufer, die sich auf Züchter- und Verbandsseiten umfassend über eine Rasse informiert. Diese Seiten stellen genetisch bedingte Erkrankungen selten objektiv dar. Auch die Berichte von Haltern der gewünschten Rasse sind eher weniger objektiv. Die Erkrankungen werden als „normal“, als „rassetypisch“ oder „kleiner Schönheitsfehler“ dargestellt (s. Beispiel oben: Dermoid Sinus).
Nur in wenigen Rassen findet ein Umdenken statt. So beginnen erste Züchter den Mops wieder mit etwas längerer Schnauze zu züchten (Retro-Mops), mit HD-belasteten Tieren darf bei vielen Rassen nicht gezüchtet werden.
Solange jedoch die krank gezüchteten Hunde gekauft werden und sogar zu Modehunden werden, ist deren Leid vorprogrammiert.
Modehunde
Untersuchungen zeigen, dass bei den beliebten Hunderassen bis mind. 2005 Verhaltensmerkmale, Lebenserwartung und Gesundheit keine relevanten Kriterien sind, die eine Rasse zur Moderasse werden lassen. Daran dürfte sich auch in jüngster Zeit nichts geändert haben. Rassen können trotz schlechter Verhaltenszuordnungen zu Moderassen werden. Untersuchungen zufolge sind beliebte Hunderassen weniger gut trainierbar. Sie neigen zudem zu diversen Ängsten sowie Aggression gegenüber den Haltern. Nicht klar ist, ob diese Verhaltensweisen Ergebnisse der Modehund-Produktion sind (s. Welpenfabriken) oder Erziehungsfehler (Modehunde in Ersthundehand). Die „Qualität“ (Gesundheit, Langlebigkeit etc.), die lange Zeit Zuchtziel war sowie das Wohl des Tieres, sind dagegen nicht von Bedeutung.
Vielmehr entscheidet das Äußere über die Beliebtheit einer Rasse, zusätzlich gefördert durch Darstellung in den Medien, Influencer u. ä.. So werden Hunde mit massiven Gendefekten (die seitens des Rassestandards vorgeschrieben, toleriert oder übersehen werden) zunehmend beliebter.
Schönheit vor Gesundheit
An dem in den Rassestandards definierten äußeren Erscheinungsbild sind auch die Hundekäufer beteiligt. Solange z. B. kurzschnäuzige Hunderassen gekauft werden, unbesehen der gesundheitlichen Einschränkungen für das Tier oder die Folgekosten zur Beseitigung der schwersten Gesundheitsprobleme, werden diese Rassen weiter in Richtung Extreme gezüchtet.
Den Haltern Ignoranz gegenüber dem Leid der Tiere zu unterstellen, greift jedoch zu kurz. Viele Untersuchungen beschäftigten sich mit der Frage, wieso die zukünftigen Hundehalter sich gezielt für eine Rasse entscheiden, bei der fast sicher mit gesundheitlichen Problemen zu rechnen ist. Die Ergebnisse sind sehr komplex. Hier nur ein paar Möglichkeiten:
- Im einfachsten Fall sind Unwissenheit bzw. einseitige Informationsquellen Schuld.
- Durch Gentests wird im Vorfeld eine Sicherheit generiert, die diese Tests nicht immer geben können (s. unten).
- Zudem spielt der Glaube, dass es schon nicht so schlimm ist und der eigene Hund von den Nachteilen verschont wird, eine Rolle.
- Es wird davon ausgegangen, dass im Ernstfall medizinische Maßnahmen das Problem restlos beheben können.
- Ist der Hund in der Familie integriert, werden Probleme beim eigenen Hund oft nicht erkannt, wohl aber bei anderen Tieren der Rasse (kognitive Dissonanz).
- Nicht zuletzt befriedigen die Hunde auch ein Gefühl des „Gebraucht-Werdens“, insbesondere bei Babyface-Rassen.
Welpenfabriken
Die Züchter von Hunden, die gerade in Mode sind, können die Bedarf an Welpen oft nicht decken.
Daher greifen manche zukünftigen Hundehalter auf Züchter im Ausland zurück. Diese sind nicht an die im Zielland geltenden Zuchtregeln gebunden. So ist in den Niederlanden zwar die Zucht von Möpsen und anderen kurzschnäuzigen (brachycephalen) Hunden verboten. Nicht jedoch der Import von im Ausland produzierten Welpen dieser Rassen. Eine entsprechende Gesetzesanpassung ist geplant.
Als Welpenfabriken werden Züchter bezeichnet, die eine Vielzahl von Rassen und Hunden produzieren. Auf den Internetseiten ist nicht selten von familiärem Anschluss, einfühlsamer Sozialisierung, Achtung vor dem Tier etc. die Rede. Die Realität sieht anders aus_ Zuchthündinnen werden nicht selten zweimal im Jahr gedeckt und sind nur solange geduldet, wie sie Würfe erzeugen können. Nach der „Gebrauchszeit“ werden sie durch eine ihrer Töchter ersetzt. Eine artgerechte Haltung und Eingewöhnung sind weder bei den Hündinnen noch bei dem Nachwuchs vorhanden. Als Zuchtrüden werden einige wenige Deckrüden verwendet. Gemäß dem Zuchtmodel findet nicht selten eine Verpaarung mit den eigenen Nachkommen statt. Welpenfabriken gibt es sowohl im Aus- als auch im Inland.
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Gesundheitsgarantien
Züchter bewerben ihre Welpen als gesund und frei von Erbkrankheiten. Als Beweis werden teilweise verschiedene Garantien (etwa Übernahme der Behandlungskosten) für den Fall der Fälle aufgeführt.
Gem. BGB sind diese Garantien beim Hundekauf allerdings vorgeschrieben und keine freiwillige Leistung oder gar ein Beweis für eine gesunde Zucht. Per Gesetz sind Umtausch oder Schadenersatz möglich.
- Ein Umtausch wird häufig nicht durchgeführt, da der Hund bereits in die Familie integriert ist.
- Der Schadenersatz setzt voraus, dass der Züchter den Schaden zu vertreten hat, z. B. diesen Schaden kannte oder ihn fahrlässig übersehen hat.
Die „Gewährleistung“ ist auf 2 Jahre beschränkt. 6 Monaten nach dem Verkauf findet zudem eine Beweislastumkehr statt, dass heißt, der Käufer muss beweisen, dass der Schaden dem Verkäufer zuzuordnen ist (und nicht etwa durch Haltungs- oder Aufzuchtfehler bedingt ist). Bei polygenen Erkrankungen ist der Nachweis, dass eine Erbkrankheit vorliegt, schwierig (multifaktorielle Entstehung). Nicht selten treten gesundheitliche Probleme erst nach der „Garantiezeit“ auf. Insgesamt kann es also sehr schwierig werden, für den erblich belasteten Welpen Gewährleistungsrechte geltend zu machen.
Lösungen?
Gentest gut – alles gut
Gentests werden häufig herangezogen, um vererbbare Krankheiten innerhalb einer Rasse zu ermitteln und die Träger per Zuchtverbote aus dem Genpool auszuschließen.
Ein Gentest liefert gute Ergebnisse bei Erbkrankheiten, die sich nur auf einem Genort befinden (monogen).
Beim Merle-Defekt handelt es sich um eine Mutation, welche die Fellfarbe verändert. Damit gehen aber auch Taubheit, Augenschäden bis hin zur Blindheit und der Verdacht auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen einher. Gesundheitliche Auswirkungen betreffen sowohl homozygote (reinerbige) als auch heterozygote (mischerbige) Hunde. Die Verpaarung von Trägern des Merle-Defektes ist verboten. Das Verbot wird bei Welpenfabriken nicht immer eingehalten. Es wird empfohlen, Merle-Träger grundsätzlich aus der Zucht zu entfernen.

(Quelle pixabay)
Viele Erbkrankheiten sind jedoch über mehrere Genorte (polygen) verteilt. Ob und wann eine entsprechende Erbkrankheit auftritt, wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst und ist nicht sicher vorhersagbar (multifaktorielle Entstehung). Der Ausschluss betroffener Hunde aus der Zucht ist daher schwierig. Der Defekt verbreitet sich somit immer weiter im Genpool der Rasse. Teilweise sind auch hier Gentests möglich.
Etliche Erbkrankheiten sind noch nicht eindeutig als solche erkannt oder es fehlen aussagekräftige Gentests (z. B. weil der Genort unbekannt ist oder eine hohe Zahl an Genen beteiligt sind). Diese Krankheiten werden somit von Gentests nicht erfasst.
Von den 405 auf OMIA (Online Mendelian Inheritance in Animals) gelisteten monogenen Erkrankungen ist bei 340 Erkrankungen (84 %) eine Vermutung über die genet. Veränderungen vorhanden und würde einen Gentest ermöglichen. Bei 16 % der monogenen Erkrankungen ist keine Vermutung über den Ort der Mutation bekannt. (Stand 19.06.2026)
Das Erkennen von genetisch bedingten Erkrankungen in einer Rasse setzt voraus, dass die Zuchtverbände akribisch auf die Gesundheit der Hunde achten, rechtzeitig auf sich eventuell ausbreitende Erkrankungen reagieren und die Zuchtzulassung nur bei Freiheit von diesen Erkrankungen erfolgt. Leider reagieren viele Zuchtverbände viel zu spät, weil sie um den guten Ruf der Rasse besorgt sind, wenn sie Verdachtsmeldungen nachgehen. Durch diese Haltung werden Erbkrankheiten zunehmend in den Rassen etabliert. (s. Schilddrüsenunterfunktion: Ist der Berger des Pyrénées eine Risikorasse? – speziell Hardy-Weinberg-Gleichung)
Designer Hunde und Mischlinge
Bei Designerhunden werden gezielt zwei Vertreter verschiedener Rassen verpaart. Dem Nachwuchs werden die jeweils besten Eigenschaften der beiden Rassen zugeschrieben.
Der Nachwuchs ist das individuell nicht vorhersehbare Ergebnis der Durchmischung der elterlichen Gene. Das heißt, die Designerhunde sind das Ergebnis der genetischen zufälligen Vermischung der Elterntiere, was zu einem völlig unvorhersehbaren Phänotyp führt (bzw. grundsätzlich zu unvorhersehbaren Ergebnissen).

Treten bei der Kreuzung von Inzuchtlinien im Vergleich zu den reinerbigen (homozygoten) Elterntieren mischerbige (heterozygote) vitalere Nachkommen auf, bezeichnet man dies als Heterosis-Effekt oder Heterozygotenvorteil. Der genaue Mechanismus dieses Effektes ist im Detail unbekannt. Möglicherweise werden vitalitätseinschränkte Gendefekte von intakten Genabschnitten „überdeckt“.
Neben den gewünschten Eigenschafen werden so zumindest latent die ungünstigen Eigenschaften vererbt, sodass spätestens in der zweiten Generation wiederrum die Gen-Defekte der Ursprungsrassen feststellbar sind. Durch einen breiteren Genpool kann der Anteil der betroffenen Tiere geringer sein.
Der Heterosis-Effekt tritt nicht immer auf.
- Werden z. B. zwei Elterntiere unterschiedlicher kurzschnäuziger Rassen verpaart, sind diese kurzen Schnauzen inklusiver aller Nachteile auch bei den Nachkommen zu finden.
- Die Rate für Retinale Dysplasie (RD) ist beim Labradoodle höher als bei Pudel und Labrador. Die Rate für Hypoadrenokortizismus (Morbus Addison) liegt zwischen der von Pudel und Labrador. Bei einer Linie australischer Labradoodles wurde eine neuartige Erbkrankheit (eine spezielle Muskeldystrophie) festgestellt.
- Werden ungünstige Rassen miteinander verpaart, kann dies zu zusätzlichen Problemen führen. Kreuzt man z. B. einen Huskys mit Stockhaar mit einem Pudel mit naturgemäß lockigem Haar, kann dies bei den Welpen zu Hauterkrankungen und generell empfindlicher Haut führen. Auch der Mix von Hunden mit stark verschiedenen Körpergrößen, Kopfformen oder Gebisstypen führt zu problembehaftetem Nachwuchs. Die Mischung von typischen Jagdhunden mit typischen Hütehunden kann zu extrem problematischem Verhalten der Hunde führen.
Die Designerhund-Züchtung findet außerhalb von Zuchtverbände statt und häufig werden die Elterntiere nicht auf typische Erbkrankheiten untersucht oder trotz bereits bekannter Erkrankungen verpaart. Die Erkrankungen werden an den Nachwuchs weitergegeben und können sich dort direkt oder erst in späteren Generationen zeigen.
Der Auslandshund
Neben Zuchthunden aus dem Ausland (sowohl aus seriöser Zucht als auch aus Welpenfabriken) findet ein starker Import von Hunden aus „Tötungsstationen“, eingefangenen Straßenhunden, ins Tierheim abgegebenen Hunden etc. statt.
Die Hunde haben gemeinsam, dass kaum etwas über ihre Vergangenheit bekannt ist, ebenso wenig wie über die Elterntiere. Es ist unbekannt, ob die Tiere ausreichend sozialisiert sind oder ob sie Träger von Erbkrankheiten sind. Bei Straßenhunden und Hunden, die zuvor mehr oder weniger wild und ohne engen Kontakt mit Menschen gelebt haben, ist eine zentrale, auch ethische, Frage, ob diese Hunde sich adäquat integrieren können und ob eine enge menschliche Gemeinschaft für sie geeignet ist. Solche Hunde z. B. in eine enge Stadtwohnung zu importieren, bietet häufig reichlich Konfliktpotenzial und Leid auf beiden Seiten.
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Die Zukunft der Rassen
Manche Rassen stehen auf Grund des hohen Inzuchtfaktors und starker Durchsetzung mit Erbkrankheiten bereits kurz vor dem aus. Nicht nur bei diesen Rassen ist Handlungsbedarf dringend erforderlich. Wissenschaftler schlagen als dringende Handlungsstrategie folgende Punkte vor:
Gesetzliche Verbote von Qualzuchten sowie des Imports von Hunden mit Qualzuchtmerkmalen verbunden mit strenger Strafverfolgung.
Förderung und Erhalt der genetischen Vielfalt innerhalb der Rassen
- Offene Zuchtbücher: Durch das Öffnen der Zuchtbücher können Hunde mit erwünschten Eigenschaften aber ohne anerkannte Rassenzugehörigkeit eingekreuzt werden. Dadurch wird der Genpool vergrößert und aufgefrischt. Offene Zuchtbücher gibt es z. B. für den BdP in Finnland und Frankreich.
- Striktes Verbot von Inzucht: Verpaarungen unter engen Verwandten sollte strikte Verboten werden, Verpaarung unter weiteren Verwandten muss streng überwacht werden.
- Die großflächige Verwendung einzelner Zuchtrüden (Popular sire) ist auf ein Minimum zu begrenzen und die Verpaarungen des Nachwuchses zu überwachen.
- Steigerung der Anzahl der Zuchttiere
Änderung der Zuchtziel: Geistige und körperliche Gesundheit müssen oberste Zuchtziele sein, also z. B. Normalverhalten, Lernfähigkeit und Vitalität. Merkmale, die zu Qualzuchten und Erbkrankheiten führen können, sind auf ein ungefährliches Maß zu beschränken.
Strikter Ausschluß aus der aktiven Zucht von kranken Tieren sowie von Tieren, die überzogene, gesundheitlich einschränkende Maßnahmen aufweisen (etwa von erforderlichen Kaiserschnitten bei der Geburt) bzw. bei denen diese Merkmale medizinisch ausgeglichen wurden / werden.
Offener Umgang mit Erbkrankheiten, aktive Abfragen zu, Überwachung von und Kommunikation über mögliche Erbkrankheiten und frühzeitige Reaktion auf mögliche Erbkrankheiten in der Zucht.
Ehrliche Information der Hundehalter über Qualzucht und Erbkrankheiten.
Buchtipps:
Andreas Gruber: Geschundene Gefährten
Andreas Gruber: Das Kuscheltier-Drama
Siehe auch Qualzucht und Inzucht: Niedlich, extravagant – und ignorant
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