SDU und Niere: SDMA und Kreatinin

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann Auswirkungen auf die Nierenfunktion haben: Die Nierenparameter GFR, SDMA und Kreatinen können verändert sein. Im Laufe der Substitution normalisieren sich die Werte teilweise.

zu Gunsten der Verständlichkeit vereinfacht

Einführung

Niere und Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüse und die Nieren beeinflussen sich gegenseitig.

Die Hormone der Schilddrüse regen den Stoffwechsel an und beeinflussen darüber z. B. die Durchblutung der Niere, die Sekretionsleistung der Nierentubuli und die GFR (Glomulare Filtrationsrate). Bei Hormonmangel sind diese Effekte reduziert und die Nierenfunktion eingeschränkt. Bei rd. 86 % schilddrüsenkranker Hunde wurde z. B. eine Reduzierung der GFR festgestellt [2].

Andererseits können schwere Nierenerkrankungen dazu führen, dass die Hormonproduktion in der Schilddrüse reduziert wird und die aktiven Schilddrüsenhormone im Körper inaktiviert werden (NTI).

Detaillierte Informationen zur Nierenfunktion und zu den Wechselwirkungen zwischen Niere und Schilddrüse sind dem Artikel Wechselwirkung zwischen Nieren und Schilddrüse beim Hund zu entnehmen.

Begriffserklärungen

Eine wichtige Kenngröße für die Funktion der Nieren ist die glomuläre Filtrationsrate (GFR). Im Verlauf einer Niereninsuffizienz nimmt die GFR ab, sodass weniger Stoffe aus dem Blut gefiltert werden. Die GFR kann nicht direkt gemessen werden, indirekt Messungen sind zeit- und kostenintensiv. Daher sind im ersten Diagnoseschritt bei einer möglichen Nierenerkrankung drei Parameter relevant:

Kreatinin ist ein Abbauprodukt von Kreatin und wird mit einer relativ konstanten Rate ausgeschieden. Bei einer Niereninsuffizienz steigt das Kreatinin im Plasma an, allerdings erst, wenn die GFR bereits um rund 50 % reduziert ist. Kreatinin ist daher zwar ein guter Indikator für Nierenfunktionsstörungen, reagiert aber erst sehr spät.

SDMA (Symmetrisches Dimethylarginin) ist ein Abbauprodukt von Proteinen (speziell der Aminosäure Arginin). Bei einer geschädigten Niere mit reduzierter GFR steigt der SDMA-Wert früher an, als der Kreatinin-Wert. Daher wird SDMA in der Veterinärmedizin als früher Marker für Nierenerkrankungen verwendet.

Die Urindichte ist ein Maß für den Anteil der Substanzen im Urin. Bei einer verminderten Rückresorption von Wasser sinkt die Urindichte: Die gleiche Anzahl Teilchen verteilt sich auf einen größeren Wasseranteil (und eine größere Menge Urin).

Untersuchung zu SDMA und Kreatinin bei hypothyreoten Hunden

In einer 2020 veröffentlichten Studie wurde festgestellt, dass Serum-Kreatinin und SDMA mit der GFR in einem (negativen) linearen Zusammenhang stehen – allerdings nur mit mäßiger Signifikanz und somit weniger als erwartet [3].

Bei bisherigen Studien wurde bei Hunden mit Schilddrüsenunterfunktion zwar eine Reduzierung der GFR festgestellt, aber keine oder nur eine sehr geringe Erhöhung des Kreatininwertes. So wurde z. B. 2020 eine Studie veröffentlicht, die verschiedene Blutwerte älterer unbehandelter SDU-kranker Hunde mit denen älterer SDU-gesunder Hunde verglich. Der Mittelwert für Kreatinin bei den SDU-kranken Hunden war zwar höher, aber nicht signifikant [4].

Anmerkung: Zur Kontrollgruppe gibt es folgende Aussage im Paper:
„Ten apparently healthy geriatric dogs brought for routine general checkup and vaccination were selected as control group …..“

Aufgrund der reduzierten GFR wäre jedoch eine Erhöhung von Kreatinin zu erwarten. In einer ebenfalls 2020 veröffentlichten Studie wurden daher die Zusammenhänge zwischen SDMA, Kreatinin und Schilddrüsenunterfunktion bei Hunden genauer untersucht [1].

Für die Studie wurden 24 Hunde mit einer diagnostizierten Schilddrüsenunterfunktion ausgewählt. Bei diesen Hunden wurden der SDMA- und der Serum-Kreatinin-Wert vor der Diagnose (T0) verglichen mit den Werten nach einer gewissen Zeit der Substitution (T1) sowie mit den Werten von 24 gesunden Hunden.

Die Ergebnisse

Eine Korrelation zwischen SDMA und Kreatinen konnte zu keinem der untersuchten Zeitpunkte festgestellt werden.

Grafik Unter Substitution normalisieren sich die erhöhten Werte von SDMA und Kreatinin
Unter Substitution normalisieren sich die erhöhten Werte von SDMA und Kreatinin

Kreatinin

Der mittlere Kreatininwert der SDU-Hunde war zum Zeitpunkt T0 signifikant höher als der von gesunden Hunden. 8 Hunde (33 %) hatten Kreatininwerte über dem Referenzbereich. Die Urindichte lag bei diesen Hunden jedoch knapp innerhalb des Referenzbereiches. Daher konnte eine Nierenerkrankung ausgeschlossen werden.

Nach Substitution lag der mittlere Kreatininwert unterhalb des Mittelwertes gesunder Hunde. Die reduzierten Kreatininwerte zeigen die verbesserte Nierenfunktion an. Das der durchschnittliche Kreatinin-Werte sogar unter den Durchschnittswerten der gesunden Hunde lag, könnte an den TT4-Werten der substituierten Hunde liegen: 8 Hunde (33 %) hatten TT4-Werte knapp über dem Referenzbereich. Die Werte lagen zwar noch innerhalb des therapeutisch akzeptierten Rahmens, dennoch könnte diese milde iatrogene Schilddrüsenüberfunktion sich positiv auf die Kreatininwerte der Hunde und somit auf das Gesamtergebnis ausgewirkt haben.

Lediglich bei einem Hund blieb der Kreatininwert auch unter Substitution über dem Referenzbereich. Wie der Hundehalter berichtete, zeigte der Hund bereits seit 2 Jahre Symptome einer SDU. Aus dem Humanbereich ist bekannt, dass Verbesserungen der Nierenfunktion nach Beginn der Substitution umso langsamer und unvollständiger erfolgen, je länger die unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion bestand und je schwerwiegender sie war. Möglicherweise trifft dies auch bei Hunden zu.

SDMA

Über 50 % der SDU-kranken Hunde hatten vor der Substitution einen SDMA-Wert über 14 µg/dl, ein Hund hatte einen Wert über 18 µg/dl, der Mittelwert lag bei 13,8 µg/dl. Der SDMA-Wert der SDU-Hunde war signifikant höher als bei den gesunden Hunden.

Nach Beginn der Substitution normalisierten sich die SDMA-Werte und zeigten keinen Unterschied mehr zu denen gesunder Hunde.

Bei 3 Hunden die vor der Substitution keine auffälligen SDMA-Werte hatten, wurden bei der Folge-Untersuchung während der Substitution (T1) erhöhte Werte gemessen. Die Werte lagen über dem Referenzbereich, aber unter 18 µg/dl. Eine mögliche Erklärung wäre, dass der T4-Mangel einen reduzierten SDMA-Stoffwechsel zur Folge hatte und der SDMA somit in T0 zu niedrig gemessen wurde. Während der Substitution könnte sich dann der SDMA-Stoffwechsel normalisiert haben und zu einer leichten Erhöhung der SDMA-Werte geführt haben.

Ein Zusammenhang zwischen SDMA und der Höhe der T4-Werte lag vor Beginn der Substitution nicht vor. Während der Substitution ergab sich eine geringe negative Korrelation zwischen TT4 und SDMA: Je höher der TT4-Wert war, desto niedriger war der SDMA-Wert. Das deckt sich mit den Ergebnissen der Kreatinin-Messungen.

Fazit

Die vorgenannten Studien lassen folgende Vermutungen zu:

Bei Hunden können im Rahmen der SDU-Diagnostik ggf. veränderte Nierenwerte festgestellt werden:

  • erhöhte SDMA- und Kreatinin-Werte,
  • reduzierte GFR.

Während der Substitution normalisieren sich die SDMA- und Kreatinin-Werte, sofern nicht tatsächliche eine Nierenerkrankung vorliegt.

Möglicherweise ist der SDMA als Kennwert für eine Nierenschädigung bei Hunden mit SDU nicht geeignet. McKenna [3] empfiehlt zur besseren Abgrenzung von Nierenerkrankungen zu anderen Erkrankungen (Nicht-Azotämie-Erkrankungen) den Referenzwert von SDMA auf 18 µg/dl zu erhöhen. Damit könnte die Spezifität des SDMA-Wertes verbessert werden, ohne die Sensitivität zu verändern.

Wie bereits durch Gommeren [2] bei 14 untersuchten Hunden festgestellt wurde, verbesserte sich die GFR unter Substitution zwar deutlich, blieb bei rd. 45 % der Hunde jedoch unter 2 mg/kg/min. Es kann daher nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass durch eine SDU auch irreversible Nierenschäden entstehen können.

Di Paola [1] empfiehlt daher weitere Studien zum Thema, bei denen Urindichte, GFR und andere Parameter langfristig erfasst werden.

Home // Seitenanfang // Alle Beiträge Schilddrüsenunterfunktion


Quellen

[1] Di Paola A et al.: Symmetric dimethylarginine concentrations in dogs with hypothyroidism before and after treatement with levothyroxine. Journal of Small Animal Practice (2020), 1–8

[2] Gommeren K et all.: Effect of Thyroxine Supplementation on Glomerular Filtration Rate in Hypothyroid Dogs. J Vet Intern Med 2009;23:844–849

[3] McKenna M et al.: Relationship between serum iohexol clearance, serum SDMA concentration, and serum creatinine concentration in nonazotemic dogs. J Vet Intern Med. 2020;34:186–194

[4] Shaju LE et all.: Clinico-diagnostic studies on hypothyroidism in geriatric dogs. Haryana Vet. (June, 2020) 59(1), 151-153

naseweisbz.net

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.