Spargel: Das besondere Gemüse

Spargel gilt als der König unter den Gemüsen – zumindest für die Spargelliebhaber. Spargel ist nicht nur gesund (wie die meisten Gemüse), sondern nach dem Spargelgenuss trennt sich die Menschheit in verschiedene Lager: Spargel-Ausscheider und Spargel-Riecher – und die jeweils anderen.

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Spargel – ein kurzer Steckbrief

Grüner gekochter Spargel auf einem Teller: Spargel gilt als königliches Gemüse - zumindest bei den Spargelfans. Grüner Spargel kann ungeschält verzehrt werden.
Spargel gilt als königliches Gemüse – zumindest bei den Spargelfans. Grüner Spargel kann ungeschält verzehrt werden. (Bildquelle: pixabay)

Spargel besteht zu rd. 94 % aus Wasser. Damit steht er zwischen Gurken (97 %) und Spinat (92 %).

In den restlichen 6 % des Spargels sind zahlreiche Vitamine (besonders Vitamin B, C und E), Mineralien (z. B. Kalium, Eisen, Magnesium, Kalzium, Kupfer) und besondere Verbindungen (z. B. Folsäure, Betakarotin (Vorstufe Vitamin A)) enthalten. Außerdem hat Spargel einen hohen Anteil an Kohlenhydraten, die von unserem Verdauungssystem nicht aufgeschlossen werden können: die sogenannten Ballaststoffe oder neudeutsch: Präbiotika. Da Spargel aufgrund des hohen Ballaststoffanteils lange sättigt und zudem wenig Fette und Proteine enthält, ist er ideal zum Abnehmen geeignet. Jedenfalls, wenn man sich keine fetten Saucen dazu gönnt.

Grafik Vergleich Spargel, Gurke und Spinat hinsichtlich Gehalt an Protein, Fett, Kohlenhydrat, Rohfasern und Mineralien: Spargel besteht vorwiegend aus Wasser. Er hat relativ viele Ballaststoffe und wenig Proteine und Fett. Im Vergleich zu Gurke und Spinat sind die Makronährstoffe ausgewogener.
Spargel besteht vorwiegend aus Wasser. Er hat relativ viele Ballaststoffe und wenig Proteine und Fett. Im Vergleich zu Gurke und Spinat sind die Makronährstoffe ausgewogener.

Spargel und Gesundheit

Seit jeher werden dem Spargel positive Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. Besonders gut soll er für Nieren und Darm sein. Bei den Römern galt er als herzstärkend und blutreinigend. Ferner wurde er gegen Hüftleiden und Zahnschmerzen empfohlen. Die Chinesen setzten bei Husten, Hauterkrankungen und fehlendem Harndrang auf Spargel. Auch als Aphrodisiakum (also luststeigerndes Mittel) wird er aufgeführt.

Allerdings ist bezüglich der angegebenen positiven Gesundheitswirkungen die Frage, ob diese nicht – zumindest zum Teil – auf den Geruch des Spargel-Urins (s. u.) zurückzuführen sind. Möglicherweise wurde der stark riechende Urin als Bestätigung für eine entgiftende und heilende Wirkung angesehen.

Den Saponinen, die im Spargel enthalten sind, wird eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben. Antioxidationsmittel (wie einige Vitamine) binden sehr reaktive Stoffwechselzwischenprodukte. Vitamin B unterstützt das Nervensystem und wirkt konzentrationssteigernd. Allerdings sind diese Stoffe auch in anderen Gemüsen enthalten.

Auch wenn Spargel im Volksmund gegen Nierenprobleme empfohlen wird, sollten Menschen, die Nierenprobleme haben, zu Nierensteinen neigen sowie Menschen, die an Gischt erkrankt sind, nur kleine Mengen Spargel verzehren und sich mit ihrem Arzt dazu abstimmen.

Die Substanz, die den Unterschied macht

Spargel enthält einen besonderen Inhaltsstoff: Asparagussäure (auch Asparagusinsäure oder 1,2-Dithiolan-4-carbonsäure). Hierbei handelt es sich um eine schwefelhaltige Carbonsäure – eine Verbindung aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, die das Grundgerüst bilden und in die Schwefel eingebunden ist.

Man nimmt an, dass Asparagussäure im Spargel verschiedene Funktionen erfüllt. Sie

  • verhindert, dass die Wurzeln zu früh austreiben,
  • hat aber auch einen wachstumsfördernden Effekt,
  • wirkt gegen Fadenwürmer und andere Schädlinge, die im Boden leben,
  • schützt vor Fressfeinden und
  • verhindert das Wachstum anderer Pflanzen in unmittelbarer Nähe.

Daher ist in den Spargelspitzen und jungen Trieben besonders viel Asparagussäure enthalten.

Asparagussäure ist nicht zu verwechseln mit L-Asparagin. Letzteres ist eine Aminosäure, die ebenfalls im Spargel enthalten ist. Spargel war zwar namensgebend für L-Asparagin, aber die Aminosäure kommt in vielen anderen Lebewesen vor und kann vom menschlichen Körper selbst synthetisiert werden.

Gelangt der Spargel beim Wachsen ans Licht, wird die Asparagussäure abgebaut. Da weißer Spargel stets unter der Erdoberfläche gehalten wird, ist die Konzentration hier besonders hoch. In violettem Spargel ist die Konzentration niedriger. In grünem Spargel, der vorwiegend über der Erdoberfläche wächst, ist die Asparagussäure-Konzentration von allen Spargeltypen am niedrigsten.

Weißer, violetter und grüner Spargel: Wenn Spargel aus der Erde wächst, färbt er sich von violett zu grün. Mit zunehmender Färbung wird die Asparagussäure abgebaut. Sie schützt die Spargeltriebe vor allem im Erdboden.
Wenn Spargel aus der Erde wächst, färbt er sich von violett zu grün. Mit zunehmender Färbung wird die Asparagussäure abgebaut. Sie schützt die Spargeltriebe vor allem im Erdboden. (Bildquelle: pixabay)

Vermutlich ist die Konzentration an Asparagussäure auch abhängig von der Zusammensetzung des Bodens: Je mehr Schwefel im Boden enthalten ist, desto höher ist die Konzentration von Asparagussäure. Mitchell [2] vermutet, dass die verstärkte Erwähnung des Spargel-Urins ab dem späten 17ten Jahrhundert u. a. damit zusammenhängen könnte, dass zunehmend schwefelhaltige Pestizide und Dünger verwendet wurden.

Asparagussäure ist verantwortlich für übelriechenden Urin.

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Spargel-Ausscheider, Spargel-Pinkler

Bei ca. der Hälfte der Personen, die Spargel gegessen haben, riecht der Urin bereits kurz nach dem Verzehr unangenehm schweflig – der typische Geruch von Spargel-Urin.

Der Anteil der Spargel-Ausscheider wird stark unterschiedlich angegeben und ist möglicherweise auch regional unterschiedlich. In der Untersuchung von Pelchat et al. [3] ist eine Zusammenstellung verschiedener Studien enthalten. In einer französischen Studie wurden 100 % Spargelausscheider angegeben, in den beiden britischen Studien waren 40 – 43 % Spargel-Ausscheider, während der Anteil in zwei amerikanischen Studien zwischen 33 und 79 % schwankte.

Wie entsteht der Geruch?

Als Ursache des übelriechenden Urins wird die Asparagussäure angesehen. Diese (bzw. das, was nach dem Kochen daraus entsteht) wird im Körper durch bestimmte Enzyme abgebaut. Die resultierenden schwefelhaltige Stoffwechselprodukt werden als die „Stinker“ angesehen. Hier ist besonders Methanthiol zu nennen, welches sehr leicht flüchtig ist und sich somit gerne vom flüssigen Urin in die Luft verabschiedet.

Grafik: Ausgangssubstanz Asparagussäure und geruchsverdächtige Endprodukte (z. B. Methanthiol, Dimethylsulfid): Asparagussäure wird im Körper zu verschiedenen anderen Substanzen abgebaut. Je nach Abbauweg können dabei mehr oder weniger stark unangenehm riechende Produkte entstehen.
Asparagussäure wird im Körper zu verschiedenen anderen Substanzen abgebaut. Je nach Abbauweg können dabei mehr oder weniger stark unangenehm riechende Produkte entstehen.

Bei Menschen, deren Urin nach Spargelverzehr nicht besonders riecht, fehlt dieses Enzym.

Die stärker des Geruchs ist abhängig von der Dosis – also wie viel Spargel man verzehrt hat und welcher Spargeltyp verzehrt wurde (weiß, violett, grün). Je mehr man verspeist hat, umso intensiver wird der Geruch.

Der Urin-Geruch nach Spargelverzehr lässt sich nicht vermeiden. Die maximale Intensität tritt ca. nach 3 Stunden auf. Die Halbwertszeit der stinkenden Produkte beträgt rund 7 Stunden, sodass nach etwa14 Stunden das Gröbste überstanden ist.

Grafik: Wahrnehmbarkeit von Spargelurin im Verlauf der Zeit: Der Spargel-Urin riecht nach ungefähr 3 Stunden am intensivsten. Danach nimmt der Geruch ab. Die Kurven stellen die prozentuale Häufigkeit der einzelnen Geruchsintensitäten dar.
Der Spargel-Urin riecht nach ungefähr 3 Stunden am intensivsten. Danach nimmt der Geruch ab. Die Kurven stellen die prozentuale Häufigkeit der einzelnen Geruchsintensitäten dar.

Pelchat et al. [3] stellten allerdings auch fest, dass die Erzeugung der geruchsintensiven Stoffe kein Alles-oder-Nichts-Prinzip ist. Vielmehr scheinen manche Menschen nach Spargelverzehr mehr stinkende Geruchsstoffe zu produzieren als andere bzw. der Anteil der leicht flüchtigen stinkenden Substanzen ist unterschiedlich (Substanzen, die sich nicht in die Luft absetzen, kann man nicht riechen). Daher liegt der Schluss nahe, dass neben Asparagussäure auch weitere schwefelhaltige Substanzen im Spargel an dem Geruch mitwirken. Demnach könnten auch Nicht-Spargel-Ausscheider Geruchsstoffe unterhalb der Geruchsschwelle produzieren.

Die Fähigkeit, Asparagussäure mittels eines Enzyms zu übelriechendem Urin umzusetzen, ist vererbbar. Anekdotisch wird von Fällen berichtet, in denen schwangere Nicht-Ausscheiderinnen während der Schwangerschaft zu Spargel-Aussscheiderinnen wurden [2]. In diesen Fällen ist der Embryo (über die Gene seines Vaters) ein Spargel-Ausscheider.

Der typische Spargelgeruch ist nach dem Spargelverzehr in allen Körperflüssigkeiten enthalten. Bei stillenden Müttern kann somit auch die Muttermilch unangenehm riechen. Auch wenn es den Babys nicht schadet – manche mögen den Geruch nicht und verweigern die Muttermilch. In diesen Fällen muss entweder das Baby hungern oder die Mutter verzichtet während der Stillzeit auf Spargel.

Vermutlich existieren keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch das fehlende Enzym (oder das vorhandene Enzym) – zumindest wurden bisher noch keine festgestellt. Ebenso wenig wurden irgendwelche Vorteile für eine der beiden Gruppen registriert.

Das Beispiel Spargel-Ausscheider oder Nicht-Spargel-Ausscheider zeigt, dass kleine, kaum merkliche Unterschiede im menschlichen (oder tierischen) Stoffwechsel bestehen. Diese Stoffwechselunterschiede sind z. B. dafür verantwortlich, dass Medikamente bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken können oder bei manchen Menschen Nebenwirkungen auftreten, die bei anderen nicht auftreten.

Spargelfeld mit hohen grünen Pflanzen und weißen Spargeltrieben: Spargel kann sehr hoch wachsen und ist dann grün. Junge Sprossen sind noch weiß.
Spargel kann sehr hoch wachsen und ist dann grün. Junge Sprossen sind noch weiß. (Bildquelle: pixabay)

Spargel-Riecher

Nicht alle Menschen können den Spargel-Urin riechen. Dies führte zunächst zur Frage, ob Nicht-Spargel-Ausscheider vielleicht eigentlich Nicht-Spargel-Riecher sind. Inzwischen weiß man jedoch, dass es beide Phänomen gibt, und zwar weitgehend unabhängig voneinander. Spargel-Ausscheider können also auch das Glück haben, Nicht-Spargel-Riecher zu sein.

Bei den Nicht-Riechern fehlen genetisch bedingt spezielle Geruchsrezeptoren. Dieses selektive Nichtriechen ist häufig in Bezug auf biologisch wichtige Gerüche zu finden, wie z. B. bei flüchtigen Steroidhormone, Moschus oder Schweiß.

Das Nicht-Riechen folgt vermutlich ebenfalls keinem Alles-oder-Nichts-Prinzip. Das heißt, bei entsprechend hohen Konzentrationen nehmen auch Nicht-Riecher die betreffenden Substanzen wahr. Sie haben somit lediglich einen höheren Schwellenwert für das Riechen bestimmter Substanzen. [3]

Die Geruchsempfindlichkeit kann sich durch wiederholten Kontakt mit dem Geruchsstoff ändern (sofern kein genetischer Defekt vorliegt). So sind eventuell Nicht-Ausscheider oder Menschen, die bisher keinen Spargel gegessen haben, zunächst ebenfalls Nicht-Riecher, weil sie keine „Erfahrung“ mit dem Geruch haben. Erst wenn sie wiederholt Spargel-Urin gerochen haben, entwickelt sich nach dieser These die Geruchsempfindlichkeit (der Schwellenwert für den Geruch sinkt somit). [3]

Wozu gehören Sie?


Literatur

  1. Facius A et al: What Can Be Learned From Crowdsourced Population Asparagus Urinary Odor Kinetics? CPT Pharmacometrics Syst. Pharmacol. (2019) 8, 407–414;
  2. Mitchell AC: Asparagus, Urinary Odor, and 1,2-Dithiolane-4-Carboxylic Acid. Perspectives in Biology and Medicine, Volume 56, Number 3, Summer 2013, pp. 341-351 The Johns Hopkins University Press
  3. Pelchat M et al.: Excretion and Perception of a Characteristic Odor in Urine after Asparagus Ingestion: a Psychophysical and Genetic Study. Chem. Senses 36: 9–17, 2011

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by naseweisbz.net

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