Der allwissende Dr. Internet

Zweifelsohne gibt es talentfreie Tierärzte. Liest man Beiträge im Social Media gewinnt man den Eindruck, dass die Mehrzahl der Tierärzte dazu gehören und desinteressiert und manipuliert sind.

Achtung: Ironie!

Ein schmuddeliger Tierarzt: Ein guter Tierarzt?
Ein guter Tierarzt? (Quelle: Piaxabay)

Tierärzte ohne Wissen


Wie jeder weiß, haben Tierärzte keine Ahnung von Tiermedizin. Ihr Studium verbringen sie damit, sich von der Futtermittel- und Pharmaindustrie einlullen zu lassen. Auch in der späteren Praxis stehen ständig Vertreter in der Praxis und winken mit attraktiven Weltreisen. Nein – Tierärzte sind absolut nicht objektiv und ihnen fehlt es an nahezu jeglichem Grundwissen über Tiermedizin.

Aber die Rettung ist in Sicht

Früher beruhte das Lernen noch auf Studium, Lesen von Fachbüchern und ähnlich antiquierten Dingen – heute genügt es dagegen, aufmerksam die Beiträge in Foren zu lesen, um fachlich up-to-date zu sein und sich aus- und weiterzubilden.
Früher brauchte man für Erkenntnisgewinn aufwendige wissenschaftliche Studien. Auch das ist zum Glück ebenfalls hinfällig geworden. Erkenntnisgewinn basiert nun auf möglichst vielen „thumb ups“, Wissen wird demokratisiert: die Meinung, die am häufigsten verbreitet wird, ist die Wahrheit.
So konnte sich eine qualifizierte, allwissende Gemeinde rund um die Haustiermedizin bilden. Verzweifelte Tierhalter können in zahlreichen Foren und Gruppen die besten und neuesten Behandlungsmethoden erfahren.

Diagnose im Internet

Im Internet wird die Wunschdiagnose gerne bestätigt. Einzige Voraussetzung ist, dass man sich im richtigen Forum anmeldet. Das große Problem ist dann allerdings, den Tierarzt zu finden, der die vom Forum bestätigte Diagnose nun endlich „offiziell“ bestätigt, die richtigen Maßnahmen einleitet und die richtigen Medikamente verteilt. Hierzu ist oft ein Tierarztpilgern erforderlich. Aber zum Glück wird man auch hierbei von den Usern kräftig unterstützt.
Bestätigt der behandelnde Tierarzt die gewünschte Diagnose nicht, schildert der verzweifelte User dies in seiner Gruppe und erhält sofort Trost und Unterstützung: Der Tierarzt wird als „unfähig, hat keine Ahnung, uninteressiert“ oder ähnlich eingestuft. Hierbei ziehen die User fundierte Kenntnis heran, zum Beispiel von ihrem letzten Tierarztbesuch oder auch schon mal aus anderen Beiträgen, in denen geschildert wird, dass „es genauso auch bei uns lief“.

Falsche Behandlung

Verschreibt der Tierarzt Antibiotika, ist das grundsätzlich völlig verkehrt und der Lobbyarbeit der Pharma-Industrie zu verdanken. Mit Hausmitteln, Schüssler-Salzen oder Globuli kann man das (also eigentlich alles) bedeutend besser behandeln.
Spezielles Diätfutter empfiehlt der Tierarzt nur, weil er damit Geld macht (und weil er das natürlich auf seinen Fortbildungen so eingetrichtert bekommen hat). Allerdings muss hierbei zusätzlich auch bedacht werden, dass Tierärzte keine Ahnung von Ernährung haben. Daher fällt ihnen auch nicht auf, dass das von ihnen verkauft Futter nur den letzten Müll (im Sinne von Müll) enthält. Der kundige User hingegen weiß, dass diese Futter mehr schaden als nutzen.

Wissensquellen im Internet

Doch völlig fern von den altertümlichen Methoden auch web-ferne Quellen zu akzeptieren sind auch Foren/Gruppen nicht. Gerne werten User ihre Beiträge mit dem Hinweis auf die Aussagen eines Spezialisten auf oder gar als „Zitat von xyz / aus dem Schriftwerk abc“. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Zitate richtig sind, aus dem Zusammenhang gerissen oder pauschalisiert. Wichtig ist einzig und alleine, dass man den Spezialisten erwähnt.
Fragt man – als zeitlich Zurückgebliebener und nicht im Mainstream-Schwimmender – nach verlässlichen Quellen, die die Gruppen-Meinungen bestätigen, erhält man dagegen entweder keine Antwort oder es wird auf Nebenschauplätze ausgewichen („Lies doch richtig: Der Hund ist kein Labrador, sondern ein Golden Retriever“ – auch wenn das in dem diskutierten Zusammenhang keine Rolle spielt). Bestenfalls erhält man noch die Antwort, dass das Behauptete doch allgemein bekannt ist.

Was tun?

Allerdings werden auch gute Alternative zu Tierärzten und deren unseriösen Methoden genannt: THP und als Diagnosemittel der Wahl: Bioresonanzanalysen.
Notfalls kann man dem Tierarzt auch seinen Job erklären. Versucht der unwissende Tierarzt auf wissenschaftlicher Basis zu argumentieren, bestätigt sich die Meinung, dass Tierärzte grundsätzlich keine Ahnung haben. Hier hilft dann eben nur der Tierarztwechsel oder den unwissenden Tierarzt daran zu erinnern, dass er Dienstleister ist und sich jetzt bitte schön der Meinung des Halters anzuschließen hat. Schließlich geht es um das geliebte Haustier!

Hinweise für Beratungen im Internet

Seriöse Hinweise

Blutdruckmessung in der Tierarztpraxis (Quelle: Pixabay)
Blutdruckmessung in der Tierarztpraxis (Quelle: Pixabay)

Im Internet gibt es verschiedene Foren und Gruppen für Tierhalter mit kranken Tieren. Manche sind wirklich hilfreich und empfehlenswert. In manchen findet man aber so einen hanebüchenen Unsinn, dass es für die Tiere gefährlich wird.
Da fragt etwa jemand an, was er tun kann, wenn der Hund schon seit Wochen ein vereitertes Auge hat. Es kommen jede Menge Tipps zu allen möglichen Hausmitteln und Medikamenten aus dem Humanbereich, die noch von der letzten eigenen Augenentzündung vor einem Jahr übrig sind. Ein anderer Klassiker ist die Frage, was man gegen Durchfall machen kann („Mein Hund hat seit 2 Wochen ….“). Auch hier: Hausmittel und Co.. Die einzig richtig Empfehlung einen Tierarzt aufzusuchen, kommt – wenn überhaupt – erst irgendwann sehr spät in den Beiträgen und geht in der Flut der „Ratschläge“ unter.
Nein – man muss nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Tierarzt. Aber man sollte immer folgendes berücksichtigen:

  • Niemand kann eine Ferndiagnose stellen. Selbst wenn alle Tiere in der Internet-Gruppe mit den geschilderten Symptomen die Krankheit XXX hatten, heißt das nicht, dass das eigene Tier auch diese Krankheit hat.
  • Spätestens bei länger anhaltenden Beschwerden sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Es gibt aber auch Notfälle, bei denen jede Sekunde zählt. Zum Beispiel: Hat der Chihuahua eine Tafel Zartbitter verputzt oder die Dogge eine Magendrehung, ist es definitiv NICHT ratsam, erst den PC anzuwerfen.
  • Tiere zeigen Schmerzen oft erst an, wenn die Schmerzen wirklich stark sind. Meist ist es dann auch allerhöchste Eisenbahn, um einen Tierarzt aufzusuchen.
  • Viele Humanpräparate sind für Tiere nicht zugelassen. Und das mit gutem Grund: Sie können bei Tieren völlig andere Wirkungen haben!!
  • Vertrauen Sie nicht blind den Empfehlungen im Internet – sondern fragen Sie nach, woher die Informationen stammen und gehen Sie den Informationen nach. Nicht selten erhält man aber ohnehin keine Antwort und wenn doch, merkt man oft schnell, dass die Antwort auf unseriösen Informationen oder Meinungen beruht.
  • Wenn Sie an der Diagnose Ihres Tierarztes zweifeln, sprechen Sie ihn an, fragen Sie nach. Aber denken Sie auch daran, dass Sie vermutlich auch ziemlich genervt reagieren, wenn Ihnen in ihrem Fachgebiet ständig jemand reinredet. Der Ton macht die Musik. Sind Sie sich immer noch unsicher, holen Sie sich eine Zweitmeinung bei einem Tierarzt ein.

Ihr Tier ist auf Sie angewiesen und vertraut Ihnen. Enttäuschen Sie es nicht!!


Link: Tierarzt Dr. Jonigkeit: In der GRUPPE zu TODE diskutiert. Offener Facebook-Beitrag, 11.11.2018

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